Insgesamt sprechen viele Vorteile für das neue System, das sicher einen wichtigen Scheidepunkt einläutet. Bis zu zwei Drittel der Arbeitszeit, so schätzen die Winzer, können insgesamt eingespart werden. Denn gerade Heften und Rebschnitt zählen zu den zeitaufwändigsten Tätigkeiten im Weinberg. Auch sind die Trauben i.d.R. acht bis zehn Tage später reif als beim normalen System. So würde sich die Lese, die sowieso immer früher startet, ein wenig entzerren und entspannter ablaufen. Sowohl für die Winzer als auch für den Keller. Gerade bei den Weißweinsorten kann durch das langsamere Reifen zusätzlich das Mostgewicht reduziert, das Risiko von zu hohem Alkoholgehalt minimiert werden.
Samuel Lay, Florian Höfflin, Markus Kanzinger und Jürgen Brodbeck starten jetzt erst einmal mit zwei Rebsorten: dem Spätburgunder und dem Müller-Thurgau. Dann sind weitere Sorten vorgesehen. Bei Gewürztraminer und Sauvignon Blanc ist beispielsweise eine andere Entblätterung notwendig. Auch der Minimalschnitt bei Piwis (pilzwiderstandsfähigen Sorten) ist geplant. Hier spielt zusätzlich die geringe Pilzanfälligkeit in die Karten. Aber das ist vorerst noch Zukunftsmusik. Nun geht es darum, Fingerspitzengefühl zu bekommen, Erfahrungen zu sammeln und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.
Die Vier sind sehr optimistisch, hier ein zukunftsfähiges System zu entwickeln. Eines, das die Weinbranche und die Bötzinger Winzer für die Zukunft rüstet. Immer mit dem Ziel, Ertrag und Qualität auf höchstem Niveau zu erhalten und, wenn möglich, sogar zu verbessern.